Philipp Hoicke

Energie – Wirtschaft – Politikberatung

Energiewende auf Französisch? – Hollandes Abkehr von der Atomkraft

Der frischgewählte Französische Präsident François Hollande hat sich in den vergangenen Tagen für eine deutliche Reduzierung der Atomenergie in Frankreich ausgesprochen. Demnach soll der Anteil der Atomkraft von derzeit rund 75 Prozent bis zum Jahr 2015 auf 50 Prozent reduziert werden. Das kündigte Hollande auf einer Umweltkonferenz in Paris vor einigen tagen an.

In Frankreich erzeugen die insgesamt 58 Atomkraftwerke rund 75 Prozent des erzeugten Stroms. Damit ist Frankreich das Land mit der höchsten Atomenergiequote weltweit. Der Ausbau der französischen Atomenergie erfolgte in den 1970er und 80er Jahren. Startschuss war der sogenannte Messmer-Plan (Pierre Messmer, franz. Premierminister von 1972-1974), der die Unabhängigkeit Frankreichs von teuren Ölimporten sichern sollte.

Nach der Katastrophe von Fukushima änderte der frühere französische Präsident Sarkozy jedoch seine Haltung zur friedlichen Nutzung der Atomenergie nicht – im Gegensatz zu Deutschland. Mittlerweile ist aber auch in der französischen Bevölkerung die Stimmung gegen eine weitere Nutzung der Atomkraft im eigenen Land gekippt. Dies geschah zum einen durch die jüngsten Katastrophen und nicht zuletzt auch durch den politischen Druck aus Deutschland, das im vergangenen Jahr beschloss, bis zum Jahr 2022 aus der Atomenergie auszusteigen. Nach den jüngsten Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Institut français d’opinion publique sprechen sich rund 62 Prozent der Franzosen für einen Atomausstieg in den kommenden 25 bis 30 Jahren aus – weitere 15 Prozent für einen noch schnelleren Ausstieg. Das hat es zuvor nicht gegeben.

Der neugewählte Präsident François Hollande macht nun seine Ankündigungen aus dem Wahlkampf wahr. Als erstes wird nach seinen Plänen das umstrittene Atomkraftwerk Fessenheim an der deutsch-französischen Grenze 2016 abgeschaltet. Das AKW Fessenheim war immer wieder durch Pannen in die Schlagzeilen gekommen – zuletzt durch Verbrennungen zweier Arbeiter durch austretenden Dampf. Die beiden Druckwasserreaktoren des Kraftwerks sind die derzeit ältesten im Betrieb befindlichen Atommeiler Frankreichs.

Für die Klimaschutzziele der Europäischen Union kündigte Hollande an, sich für eine stärkere Reduzierung der Treibhausgase einzusetzen und die festgelegten Reduzierungsziele „EU 20-20-20“ (Bis zum Jahr 2020: Reduzierung der CO2-Emissionen um 20 Prozent – Steigerung der Erneuerbaren Energien um 20 Prozent – Steigerung der Energieeffizienz um 20 Prozent) einzusetzen. Demnach sollen bis 2030 40 Prozent CO2 eingespart werden und bis 2040 sogar 60 Prozent.

Diese Ziele sind auf der einen Seite sehr zu begrüßen – dürften in den Mitgliedstaaten der europäischen Union jedoch einige Diskussionen auslösen. Längst steht Deutschland mit seinen Plänen des Atomausstiegs und der Energiewende nicht mehr alleine da. Auch andere Staaten denken an den Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz. Jedoch sind nicht alle Staaten in Europa so weit in ihrer Energiewende wie Deutschland und vielleicht auch Frankreich.

Es bleibt jedoch fraglich, welche Auswirkungen die energiepolitischen Ziele Hollandes auf den französischen Energiemarkt haben werden. Durch den hohen Atomstromanteil, der kaum in den Spitzen reguliert werden kann, setzen viele Franzosen auch auf Heizungen, die mit Hilfe von Strom Wärme erzeugen, da die erzeugte Energie der Atommeiler ständig einen Abnehmer finden muss. Im Zuge der Steigerung der Energieeffizienz wird Hollande viel Geld in die Hand nehmen müssen, um Heizungen auszutauschen und Gebäude zu sanieren. Auch wird er gegen große Widerstände seitens der französischen Atomlobby kämpfen müssen, die sich in Frankreich im Wesentlichen aus einem Unternehmen bildet, der EdF (Électricité de France SA) – einem börsennotiertem, staatlich dominiertem Elektrizitätsgesellschaft. Auch der Rückbau der Atomkraftwerke und die Entsorgung des belasteten Materials aus den Kraftwerken werden Milliarden verschlingen. Es ist und bleibt ein ambitioniertes Ziel.

Foto: erjkprunczýk Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 24. September 2012 von in Atomenergie, Energiepolitk, Politik und getaggt mit , , , .

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