Philipp Hoicke

Energie – Wirtschaft – Politikberatung

Ist der Weg eines Trennbankensystems der Weg aus der Krise?

Neben der Energiewende ist das drängenste politische Problem die Neuordnung des Finanzsektors. Nach der Bankenkrise ist das System der Universalbanken in Deutschland ins Fadenkreuz der Kritik geraten. Dabei handelt es sich um ein System, bei dem Banken das gesamte Spektrum der Bank- und Finanzgeschäfte anbietet. Dazu gehören sowohl risikoreiche Investment-Geschäfte als auch die klassischen Bereiche der Kreditvergabe und Spareinlagen. Die Kritik an diesem System: Verluste im risikoreichen Investment-Geschäft können in einem Universalsystem eine Bank als Ganzes in die Krise stürzen. Als Gegenvorschlag steht das aus den USA bekannte Modell des Trennbankensystems im Raum.

Der designierte Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, hat dazu ein Papier verfasst („Vertrauen zurückgewinnen: Ein neuer Anlauf zur Bändigung der Finanzmärkte„), in dem er sich für die Einführung eines solchen Systems stark macht. Demnach soll der heutige Bankensektor in Deutschland in zwei Bereiche getrennt werden: einmal in den hochspekulativen und risikoreichen Investment-Sektor, bei dem es zum einen hohe Gewinne, aber auch hohe Verluste geben kann und in den Bereich, bei dem diese hochriskanten Spekulationen verboten sind. Doch kann dieser Vorschlag helfen, künftige Krisen besser in den Griff zu bekommen?

Zum einen wird bei diesem Vorschlag vergessen, das die Bank Lehman Brothers, die die aktuelle Bankenkrise erst richtig ausgelöst hatte, keine Bank für Kleinanleger war, sondern eben nur für den Bereich der hochriskanten und hochspekulativen Bankgeschäfte, bei dem sicherlich kein Kleinanleger mitgemacht hat. Und doch ging von Lehman Brothers ein Erdbeben aus, dass alle Banken – egal ob hochriskant oder konservativ – erschüttert hat. Also wird auch die Trennung der beiden Sektoren nicht verhindern, dass beim Crash des einen Bereichs, der andere unversehrt bleibt. Jedoch werden die Hürden für die Banken höher geschraubt.

Ein weiterer Punkt, den der Politikwissenschaftler Colin Crouch in seinen viel beachteten Werk „Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus“ anmerkt, ist, dass nun viele Banken vom „Baum der Erkenntnis“ probiert hätten. Sprich: Sie wüssten nun, welche Unmengen an Geld sich auf den riskanten Sekundären Märkten verdienen ließen. Einmal von dem Goldrausch infiziert, würden sich diese Banken nur widerwillig in ein konservatives Anlagemuster pressen lassen. Zu groß würde erneut die Versuchung sein, in kurzer Zeit Millionen zu erwirtschaften.

Es dürfte daher im Interesse der Politik und der Banken sein, eine Einigung in dieser Frage zu erarbeiten. Die Politik (und die Bürgerinnen und Bürger) ist sicherlich nicht daran interessiert, weiterhin Milliardenbeträge für in Schieflage geratene Banken zu zahlen. Auf der anderen Seite dürften die Banken an den staatlichen Hilfen nicht dauerhaft interessiert sein, denn daraus könnten künftig größere Forderungen der Politik und Einschnitte in die Geschäfte der Banken resultieren.

Crouch prognostiziert daher, dass es zu einer Selbstverpflichtung der Banken an die Politik kommen wird, in der man sich auf bestimmte Verhaltensregeln einigen wird, um den Einfluss der Politik auf die Banken möglichst klein zu halten. Allerdings wissen wir, dass Selbstverpflichtungserklärungen der Wirtschaft nur selten den erwünschte Effekt haben und meistens nicht lange halten. Ich bin gespannt, ob Crouch mit seiner Vorhersage recht haben wird. Bisher haben die Deutschen Banken Steinbrück für seinen Vorschlag kritisiert. Doch klar ist, dass sich etwas ändern muss. Im Bundestagswahljahr 2013 werden sicherlich noch einige Debatten zu diesem Thema aufkommen. Ich hoffe auch, dass die Banken sich an der Diskussion beteiligen. Es wäre in ihrem Interesse.

Foto: NRWSPD (Lizenz)

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 24. November 2012 von in Politik, Wirtschaft und getaggt mit , , , , .

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