Philipp Hoicke

Energie – Wirtschaft – Politikberatung

Politische Kommunikation für Unternehmen – Public Affairs ist besser als der Ruf

In den Medien wird der Begriff der Politischen Kommunikation oder Public Affairs in der Regel mit dem Begriff Lobbyismus oder auch Public Relations (PR) gleichgesetzt. Doch das ist falsch. PR bezeichnet in Abgrenzung zu Public Affairs  die öffentlichkeitswirksame Darstellung eines Unternehmens. Public Affairs vollzieht sich in den meisten Fällen jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Beim Begriff Lobbyismus verhält es sich etwas anders: er ist nur ein kleiner Teil der politischen Kommunikation eines Unternehmens und ist im Gegensatz zu Public Affairs ein kurzfristiger bzw. punktueller Ansatz, die eigenen Unternehmensziele zu vertreten.

Viele Unternehmen scheuen sich noch immer, den Bereich der Politischen Kommunikation professionell zu besetzen, dies kann ich aus zahlreichen persönlichen Erfahrungen bestätigen. Sie agieren nach dem Motto: „Wenn ich mich aus der Politik heraushalte, dann lässt mich die Politik auch in Ruhe“. Doch dieser Ansatz ist grundsätzlich falsch. Die Politik sollte für nahezu jedes Unternehmen eine wichtige Größe darstellen, die es nicht zu unterschätzen gilt. Viele Entscheidungen, die auf den unterschiedlichen politischen Ebenen getroffen werden, haben unmittelbaren Einfluss auf die Geschäfte von Unternehmen. Warum sollten diese dann nicht versuchen, durch politische Kommunikation ihre Positionen zu verbessern?

Der Bereich der Public Affairs bietet dazu die professionelle Möglichkeit. Durch eine umfassende und systematische Betrachtung des Unternehmens-Umfelds und dessen Steuerung können Handlungsspielräume des eigenen Unternehmens erweitert und das wirtschaftliche Klima positiv beeinflusst werden. Wichtig zu erwähnen ist, dass der gesamte Prozess auf Dauer angelegt ist und sich ggf. erst nach einer Weile auszahlt. Vielleicht liegt auch hier der Grund dafür, dass viele mittelständische Firmen keine aktive und professionelle Interessensvertretung aufbauen, da sich der Output für das Unternehmen nicht in Zahlen fassen lässt bzw. sich erst viel später einstellt. Große Konzerne haben den Nutzen von Public Affairs bereits seit langem für sich erkannt und bauen ihren Einfluss dadurch aus – nicht zuletzt auch mit negativen Folgen für kleinere Unternehmen und Wirtschaftszweige.

Lobbyismus vs. Public Affairs

Wie bereits angerissen, wird der Begriff des Lobbyismus oder des aktiven Lobbying wird in den meisten Fällen negativ bewertet. Dies resultiert aus der Tatsache, dass von der Politik nur zu oft einseitig Vertreter eines Wirtschaftsbereichs oder von einzelnen Unternehmen gehört werden und viele kleinere Verbände und Unternehmen auf der Strecke bleiben, was zu einer einseitigen Beeinflussung der Politik zu Gunsten großer Konzerne führt. Jedoch ist die Politik auf die Meinungen von Experten und Fachleuten aus der Wirtschaft angewiesen. Ohne die Einschätzung von Wirtschaftsvertretern zu den Auswirkungen eines bestimmten Gesetzes können die meisten Politiker kaum die Reichweite eines Gesetzes oder einer Verordnung überblicken. Diese Tatsache lässt sich nicht auf den mangelnden Sachverstand der Politiker zurückführen, sondern auf die Fülle an Entscheidungen und der Komplexität mancher Gesetzesvorlagen.

Es ist jedoch negativ zu bewerten, wenn sich Politiker in konkreten Fällen nur einseitig Rat bei bekannten oder einflussreichen Unternehmen und Wirtschaftsverbänden einholen, die unter Umständen nicht den gesamten Zusammenhang darstellen. So fallen Probleme, Kritik und Anregungen kleiner Unternehmen oft unter den Tisch und neue Gesetzestexte helfen nur den großen Konzernen. Das ist aber wiederum ein Problem, das die Politik für sich bewerten und ggf. ändern muss. Es sollte nicht zu Lasten des Ansehens der Public Affairs führen.

Anforderungen an professionelle Interessenvertretung

Eine professionelle Vermittlung von Unternehmensinteressen basiert auf zwei grundlegenden Schritten, die hier verkürzt wiedergegeben werden: Zum einen liefert ein unternehmensbezogenes Monitoring (Political Audits) Erkenntnisse über teils bekannte, teils riskante Projektverläufe durch Analyse des gesellschafts-politischen Umfeldes eines Unternehmens und dessen Wirkungszusammenhänge. Dabei stehen im Zentrum dieser Betrachtung die Identifikation von Risiken und Chancen und deren Bewertung. Unabdingbar sind weitere Analysen über die gesellschaftlichen Anspruchsgruppen (Stakeholder) eines Unternehmens und die Einschätzung, wie diese den eigenen Unternehmenszielen gegenüberstehen.

In einem zweiten Schritt wird versucht, das erkannte und analysierte Unternehmensumfeld für die Unternehmensziele zu sensibilisieren und ggf. im Sinne dieser Ziele zu beeinflussen. Dieser Prozess wird allgemein als Government Relations bezeichnet und beschreibt die dauerhafte Pflege und den Aufbau eines Community-Netzwerkes zum Austausch und zur Platzierung unternehmensrelevanter Themen bei Entscheidern aus Politik und Gesellschaft. Lobbying ist dabei nur ein Baustein und bezeichnet eine punktuelle Beeinflussung. Dagegen setzt der gesamte Prozess der Government Relations auf einen dauerhaften Beziehungsaufbau zu Entscheidern mit unterschiedlichen Maßnahmen. Neben dem Lobbying sind weitere Aktivitäten wie Gruppengespräche mit Fachleuten und Experten, Treffen im Rahmen fachlich orientierter Veranstaltungen oder die schriftliche Stellungnahme zu unternehmensrelevanten Themen und/oder deren Vertretung in politischen Anhörungen möglich.

Der Aufbau eines Unternehmenszentrierten Netzwerkes gehört somit zu den wesentlichen Aufgaben jeder Public Affairs-Abteilung. Dabei hat sich gezeigt, dass in den meisten Fällen nur wenige Menschen aus Politik und Gesellschaft über das Schicksal eines Unternehmens entscheiden. Somit zählt nicht die Quantität der Personen, sondern die Qualität der Personen, die sich in diesem Netzwerk befinden.

Wer also eine professionelle politische Kommunikation in seiner Unternehmensstrategie verankert, sichert sich auf Dauer einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Unternehmen, denn längst nicht überall werden die positiven Aspekte der politischen Kommunikation genutzt und aktiv zur Erreichung der Unternehmensziele eingesetzt. Die negative Berichterstattung über Konzerne, die versuchen, Politiker zu beeinflussen, haben vielleicht viele davor zurückschrecken lassen, sich tiefer mit der Materie auseinanderzusetzen aus Angst vor eigenen Imageschäden. Doch politische Kommunikation ist ein legales Mittel zur Erreichung der eigenen Unternehmensziele. Schwarze Schafe gibt es in allen Branchen und Wirtschaftsbereichen – die meisten arbeiten jedoch seriös und diskret und die Vorteile für Politik und Wirtschaft liegen auf der Hand.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 18. Februar 2014 von in Politik, Strategie, Wirtschaft und getaggt mit , , , , .

Kategorien

Twitter Updates

Enter your email address to follow this blog and receive notifications of new posts by email.

Abonnierte Blogs

erneuerbar

Die Energiewende in Deutschland

SPRENGSATZ _Das Politik-Blog aus Berlin

Energie - Wirtschaft - Politikberatung

Marco Bülow

Energie - Wirtschaft - Politikberatung

Daniel Florian

Politik - Medien - Wirtschaft

Richard Wiseman

Quirky mind stuff

Philipp Hoicke

Energie - Wirtschaft - Politikberatung

%d Bloggern gefällt das: