Philipp Hoicke

Energie – Wirtschaft – Politikberatung

VKU und BDEW planen Zusammenschluss

Welche Zukunft haben Verbände in der Energiewirtschaft?

 

Hildegard Müller, Geschäftsführerin BDEW, Quelle Flickr

Hildegard Müller, Geschäftsführerin BDEW, Quelle Flickr

In den letzten Monaten verdichten sich die Gerüchte darüber, dass es im Bereich der Energiewirtschaft zu einem Zusammenschluss der beiden größten Verbände kommen könnte, dem Verband der Kommunalen Unternehmen (VKU) und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Erste Überlegungen zu dieser Fusion liegen angeblich vor. Bei der Fusion könnte am Ende eine verbesserte Interessensvertretung der Energiewirtschaft stehen – es drohen allerdings auch einige Gefahren.

 

Generell stellt sich die Frage, ob ein Zusammenschluss aus BDEW und VKU das ist, was die Mitgliedsunternehmen erwarten und ob sie künftig noch die Chance sehen, dass ihre jeweiligen Interessen angemessen vertreten werden. Politisches Gewicht hätte der neue Verband sicherlich. Allerdings gehen viele größere Unternehmen in Sachen Interessenvertretung bereits eigene Wege. Viele Unternehmen kommunizieren lieber auf direktem Wege mit der Politik und haben dazu in Berlin und auch in Brüssel eigene Unternehmensrepräsentanzen aufgebaut. Diese sollen einen direkten Draht zu politischen Entscheidungsträgern herstellen und im idealen Fall den Bereich der Public Affairs abdecken.

 

Sind beim BDEW eine Vielzahl von Energieerzeugern und kommunalen Unternehmen beteiligt (nach eigenen Angaben über 90% der Strom- und Gaserzeuger), vertritt der VKU in der Regel die Belange der Stadtwerke und Kommunen in Sachen Energie, Wasser und auch im Bereich der Entsorgungswirtschaft. Hier muss der VKU und müssen die Kommunen aufpassen, dass nach einem Zusammenschluss ihre Interessen nicht untergehen. Zu unterschiedlich sind doch teilweise die Anforderungen und Probleme eines Stadtwerks in der Energiewende als bei anderen Versorgungsunternehmen. Hier könnten konträre Positionen vorbestimmt sein, welche die Handlungsfähigkeit des neuen Super-Verbandes lähmen könnten.

 

Doch das ist auch jetzt schon der Fall. Viele Unternehmen setzen auch jetzt schon auf eigene Public-Affairs Konzepte, da ihnen die großen Verbände zu träge erscheinen in ihrer Meinungsbildung und Entscheidungsfindung. Diese stehen den kurzfristigen Veränderungen besonders im Bereich der Energiewirtschaft entgegen, die teilweise kurzfristige Lösungen und Positionen oder einen schnellen Draht in die Politik brauchen. Dagegen wirken die riesigen Verbände eher wie schwerfällige Tanker. Auch stößt die Kritik über die langsame und schwierige Meinungsfindung der Verbände ins gleiche Horn. Durch einen Zusammenschluss von VKU und BDEW sind an vielen Stellen durchaus Meinungsunterschiede der Kommunen mit Unternehmen aus der Energiewirtschaft vorprogrammiert. Themen wie Atompolitik, deren Vertreter beim BDEW angesiedelt sind oder bedenken der Kommunen gegen Fracking könnten künftige Konfliktgrenzen innerhalb des neuen Verbandes sein.

 

Viele größere Unternehmen haben sich daher auch zu anderen, zeitlich begrenzten Netzwerken zusammengeschlossen, um ihre Ziele innerhalb der Energiewirtschaft oder auch in der Energiepolitik durchzusetzen. Sobald das Ziel erreicht wird, zerfallen diese temporären Allianzen von alleine. Diese sind in der Regel zielgerichteter und flexibler, als die großen Verbände.

 

Einigen sich der BDEW und VKU darauf, ihre beiden Häuser zu vereinen, müssen sie für die genannten Probleme Lösungen erarbeiten. Den Kommunen und Stadtwerken muss deutlich gemacht werden, dass ihre Meinungen auch künftig durch den neuen Verband in geeigneter Weise gegenüber der Politik und Gesellschaft vertreten werden kann, ohne innere Streitigkeiten. Der Verband muss auch schneller reagieren können auf die anhaltentenden Veränderungen der Energielandschaft und muss ihre Mitglieder innerhalb dieser Prozesse unterstützen. Nur so kann es gelingen, dass Verbände ihre wichtige Rolle in der Zukunft beibehalten.

 

 

Foto: Flickr (boellstiftung ) Lizenz CC-BY-SA 2.0

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 12. Mai 2014 von in Energiepolitk, Politik, Strategie und getaggt mit , , , , , , .

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