Philipp Hoicke

Energie – Wirtschaft – Politikberatung

Eon begeht mutigen Schritt

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Foto: Ben Sutherland (Flickr) Lizenz: CC BY 20

 

Vorschläge erinnern an Pläne der IGBCE und könnten Überleben sichern

Die Ankündigung des Eon-Chefs Teyssen, den größten deutschen Energieversorger radikal umzubauen, schlug in den letzten Tagen ein wie eine Bombe. Am Montag der letzten Woche wurde verkündet, dass nach den Plänen des Eon-Aufsichtsrates sich ab 2016 eine Gesellschaft vom Mutterkonzern abspalten wird. In diese Gesellschaft, die auch einen neuen Namen bekommen wird, sollen die großen Erzeugungskapazitäten, die Kohle, Gas- und Atomkraftwerke überführt werden.

Der andere Teil von Eon, den Teyssen als neue Eon bezeichnet, wird sich rund um die 33 Millionen Kunden aufbauen und soll neben dem Endkundengeschäft weitere Energiedienstleistungen bereitstellen sowie den Bereich der Erneuerbaren Energien beherbergen.

Um es kurz zu sagen, finde ich den Schritt von Eon richtig. Er ist mutig und sicherlich auch ein notwendiger Richtungswechsel. Eon kann damit künftig als ein neues, modernes und umweltfreundliches Unternehmen auftreten. Ein Vorteil, den man zum Konkurrenten RWE durchaus spielen kann, denn RWE zählt wegen seiner zahlreichen Braunkohlekraftwerke zu den Top-CO2-Verursachern in ganz Europa. Ein Image, das im Zuge der Energiewende durchaus die Reputation des eigenen Unternehmens erheblich schadet.

Eon macht sich damit ein stückweit frei von der „alten Energiewelt“, wie Johannes Teyssen es bezeichnete. Dennoch sehe er durchaus eine Überlebenschance für den künftig abgespaltenen Bereich – nur eben weniger in Deutschland. Die fossilen Kraftwerke von Eon werden nach Aussagen Teyssens noch Jahre für die Stromversorgung und Netzstabilität in Deutschland und auch in anderen Ländern gebraucht, denn Eon besitzt nicht nur Kraftwerke in Deutschland.

Vorschlag erinnert an nationale Verstromungsgesellschaft der IGBCE

Kritiker bezeichnen die Überführung der klassischen Erzeugungsanlagen als Gründung einer Art Bad Company oder Bad Bank für Altlasten der Energieversorgung und äußern die Sorge, Eon könnte für Altlasten und Rückbau seiner Kraftwerke nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden und die anfallenden Kosten würden schlussendlich den Steuerzahlern aufgedrückt. Doch was steckt wirklich hinter dem Plan von Eon? Ist es ein Versuch, die so genannten Altlasten loszuwerden und eventuell dem Staat zu überlassen, wie böse Zungen behaupten, oder ein notwendiger Schritt in Richtung eines neuen und modernen Energiedienstleisters?

Ein bisschen erinnert die Abspaltung der Erzeugungssparte an den Vorschlag von IGBCE Vorsitzenden Michael Vassiliadis. Dieser forderte zu Beginn des Jahres 2014 die Überführung aller Kohlekraftwerke in eine nationale Gesellschaft für Steinkohlekraftwerke. Diese sollte einen geregelten Ausstieg aus der Kohleverstromung vor dem Hintergrund der Energiewende in Deutschland einleiten. Ähnlich ist auch nun der Schritt von Eon zu bewerten. Es ist ein radikaler Schnitt des größten deutschen Energieversorgers, der zwar ein hohes Risiko eingeht, aber durchaus die Chance hat, künftig weiterhin zu existieren.

Und was macht RWE?

Dagegen steht der größte inländische Konkurrent RWE weiterhin vor düsteren Zeiten. Während Eon eine Strategie gefunden hat, der Krise in der Energiewirtschaft zu begegnen, scheint solch ein Weg beim Essener Energieriesen RWE noch lange nicht gefunden zu sein. RWE war immer eines der langsamsten Unternehmen, wenn es um Neustrukturierungen oder Innovationen ging, auch die Energiewende wurde bis heute völlig verschlafen. Dies hat bei RWE zum einen sicherlich auch mit den unterschiedlichen Strukturen zu tun, im Gegensatz zu anderen Energiekonzernen. Der hohe Anteil an kommunalem Einfluss lähmt die Unternehmenspolitik von RWE. Entscheidungen können nur sehr langsam unter der Einbeziehung vieler kleiner Anteilseigner erbracht werden. Da hat es Eon einfacher.

Wenn ich mal eine Prognose abgeben darf, dann sehe ich in Deutschland künftig nur noch zwei Energieriesen: Eon und EnBW. Vattenfall wird sich nach dem Atomausstieg und dem weiteren Rückgang der Braunkohleverstromung aus Deutschland zurückziehen. RWE wird ähnliche Probleme bekommen, da es europaweit der größte Braunkohleverstromer ist, sofern kein radikaler Schnitt gemacht wird.

 

Foto: Ben Sutherland (Flickr.de) Lizenz: CC BY 2.0

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. Dezember 2014 von in Energiepolitk, Strategie, Wirtschaft und getaggt mit , , , , , .

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