Philipp Hoicke

Energie – Wirtschaft – Politikberatung

RWE: Kapitalerhöhung ist Kampfansage an Kommunen

Flickr ( NET4Gas s.r.o.) Lizenz CC BY-ND 2.0)

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RWE steht mit dem Rücken an der Wand – so viel dürfte auch der verstanden haben, der keine Ahnung von Energiewirtschaft hat aber aufmerksam die Medien in den vergangenen Monaten verfolgt hat. Der Aktienkurs hat in den letzten Jahren rapide an Wert verloren und auch die Dividende wurde von ehemals 4 Euro auf heute 1 Euro je Aktie gekürzt mit weitreichenden Folgen für viele Kommunen im Ruhrgebiet, die an dem Essener Energieriesen beteiligt sind (ca. 25%). Zusätzlich sind bereits tausende Arbeitsplätze abgebaut worden – weitere werden folgen.

Lange Zeit galt die RWE-Beteiligung der Ruhrgebietskommunen als lukratives Geschäft und die Dividenden waren fest eingeplante Posten in den städtischen Haushalten um bspw. den defizitären Öffentlichen Nahverkehr auszugleichen oder andere Haushaltslöcher zu stopfen. Diese Zeiten sind nun erstmal vorbei und werden sicherlich auch nicht mehr wiederkommen. Dabei kann man sich schon wundern, warum die Städte in der Vergangenheit RWE-Aktien als eine sichere und verlässliche Anlageform betrachtet haben, so als ob es todsichere Anlageobjekte gewesen sind. Doch RWE ist eine Aktiengesellschaft und war schon immer dem freien Spiel des Marktes unterworfen gewesen, dessen Kräfte RWE nun deutlich zu spüren bekommen hat und aus dem man aktuell kaum einen Ausweg findet.

Die Kommunen dagegen können nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die kürzlich beschlossene Stabilität der Dividende von 1 Euro je Aktie schauen. Denn diskutiert wurde auch eine weitere Absenkung auf unter einem Euro. Das konnten die kommunalen Aktionäre bei RWE aber noch knapp verhindern – dem Unternehmen RWE hilft das aber gerade überhaupt nicht. Waren die Ruhrgebiets Kommunen in der Vergangenheit stets ein guter und strategisch wichtiger Partner des Essener Energieriesen mit zahlreichen personellen Verknüpfungen in die Kommunalpolitik vieler Städte entlang der Ruhr und anderen Teilen NRWs, werden sie aktuell mehr und mehr zur Belastung des Energiekonzerns.

Denn mit den Kommunen ist ein notwendiger Umbau des Konzerns und eine Neuausrichtung kaum vorstellbar. Diese sind nur daran interessiert, dass das Loch in den kommunalen Haushalten nicht noch größer wird. Das ist zwar verständlich, doch dadurch scheinen langfristige strategische Entscheidungen mit den Kommunen als Aktionäre aktuell kaum vorstellbar zu sein. Das schränkt den Handlungsspielraum RWEs erheblich ein. Doch genau das ist es, was RWE nun benötigt: Handlungsspielraum. Der Branchenprimus E.ON hat es kürzlich vorgemacht. E.ON-Chef Johannes Teyssen kündigte an, den Energiekonzern künftig zu spalten in einen Bereich mit allen vorhandenen Großkraftwerken und in einen neuen E.ON-Konzern, der sich verstärkt im Berich von Energiedienstleistungen und Erneuerbaren Energien engagiert.

Arabischer Investor erhöht Druck auf Kommunen

RWE wäre aktuell zu solch einem Schritt nicht fähig – auch aufgrund der komplizierteren Aktionärsstruktur und dem hohen Anteil an kommunalen Vertretern, die andere Interessen haben. Das Gedankenspiel von Peter Terium, einen arabischen Investor mit ins Boot zu holen dürfte daher wohl als Kampfansage an die RWE-Kommunen gelten. Sollte es zu einer Kapitalerhöhung kommen, würde der Einfluss der Kommunen an RWE erheblich sinken und vielleicht Spielräume für mögliche Konzernumbauten ermöglichen, ohne von der Entscheidung der Kommunen abhängig zu sein. Demnach würden die Dividenden der RWE-Aktien mit großer Wahrscheinlichkeit unter die 1 Euro Grenze fallen. Denn klar ist, dass ein arabischer Investor wahrscheinlich andere strategische Ansätze verfolgen wird, als die klammen Ruhrgebietskommunen. Sofern ist es ein kluger Schachzug von Peter Terium, den Kommunen einen möglichen neuen Ivestor aus Übersee zu präsentieren, ohne genauere Angaben zu machen. Im Klartext könnte die Botschaft jedoch lauten: Entweder die Kommunen begnügen sich künftig mit weniger Rendite je Aktie oder sie verlieren massiv an Einfluss. Wenn sich die Lage bei RWE bis zum kommenden Jahr nicht geändert hat, können sich die Kommunen kaum noch gegen eine Absenkung wehren – dann drohen auch den Kommunen noch düstere Zeiten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 31. März 2015 von in Allgemein, Energiepolitk, Strategie, Wirtschaft und getaggt mit , , , , .

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